Kann Digitalisierung Einsprachen verhindern?

13
August
2026

Nein. Aber sie kann entscheidend dazu beitragen, besser mit ihnen umzugehen.

Noch vor wenigen Monaten war ich überzeugt, dass gebaut wird, sobald ein Projekt bewilligt ist. Heute weiss ich: Der eigentliche Kampf beginnt oft erst danach.

Spätestens seit dem 14. Juni wissen wir, dass die Schweiz weiter wachsen wird. Mehr Menschen bedeuten mehr Bedarf an Wohnraum und Infrastruktur – eigentlich beste Voraussetzungen für die Baubranche.

Doch der Schein trügt. Von aussen betrachtet scheint die Baubranche zu boomen – Kräne stehen an jeder Ecke. Was dabei kaum jemand wahrnimmt – und dazu zähle ich mich trotz fast eines Jahres Teilzeit in der Baubranche ebenfalls – ist die erstaunlich hohe Zahl an Bauprojekten, die verzögert oder vorübergehend blockiert werden.

Aus der Bauwirtschaft wird immer wieder die Zahl von rund 70 % an Neuprojekten im Kanton Zürich genannt, gegen die Einsprachen laufen. Eine offizielle Statistik dazu existiert jedoch nicht. Heute wird häufiger dort gebaut, wo bereits Menschen leben – unter anderem eine Folge der Revision des Raumplanungsgesetzes von 2013, wodurch die Innenentwicklung bewusst gestärkt wurde. Das führt zwangsläufig zu mehr Interessenkonflikten und erhöht das Potenzial für Einsprachen und Blockaden. Hinzu kommen steigende Anforderungen an Klima-, Hochwasser- und Heimatschutz.

Diese Blockaden, auch wenn sie nur temporär sind führen zwangsläufig zu Planungsunsicherheiten. Nicht nur seitens Baufirmen, die ihre Mitarbeiter zunehmend kreativ beschäftigen und gleichzeitig deren Salär sicherstellen müssen, sondern auch seitens Bauherren. Die Herausforderung besteht deshalb nicht nur darin, neue Bauprojekte zu entwickeln. Mindestens genauso wichtig ist es, bestehende Projekte möglichst effizient durch immer komplexere Verfahren zu begleiten.

Investitionen werden dadurch nicht mehr so einfach getätigt, was innovative neue Projekte verhindern kann. Politische Lösungen sind wichtig – doch auch Bauunternehmen haben Möglichkeiten, ihre Prozesse effizienter und robuster zu gestalten – nämlich durch Digitalisierung. Diese verhindert zwar direkt kein einziges Einspracheverfahren. Sie kann aber indirekt ihre Power entfalten.

Mehr Digitialisierung kann die Transparenz in der Kommunikation zwischen Behörden und allen involvierten Anspruchsgruppen verbessern. Digitale Modellierungswerkzeuge, wie BIM, machen Planungen datenbasiert nachvollziehbarer und können mögliche Konflikte bereits in frühen Projektphasen sichtbar machen.

Elektronische Dossiers, digitale Planprüfung, digitale Aktenführung können kürzere Bearbeitungszeiten zur Folge haben. Medienbrüche lassen sich grösstenteils verhindern, was wieder Missverständnissen vorbeugen kann.

Digitalisierung verhindert keine Einsprachen. Aber sie entscheidet immer häufiger darüber, wie gut Unternehmen mit ihnen umgehen können.

René Schmid
Branding & Design

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